INNSBRUCK: Kundgebung „Laut gegen das leise Einschläfern!“

Innsbruck

17. Oktober 2026, 15:00
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Laut gegen das leise Einschläfern!

Inklusive Bildung beleben. Gemeinsam handeln statt reden.

Wir waren schon einmal voller Aufbruch. Tirol war lange Vorreiter auf dem Weg zu gemeinsamer, inklusiver Bildung. Eltern, Menschen mit Behinderungen, Pädagog und engagierte Bündnispartner haben dafür Türen geöffnet und Veränderungen erkämpft. Von diesem Vorsprung ist viel verloren gegangen. Jahre des Nichtstuns, der Vertröstungen und der Beteiligungsprozesse ohne spürbare Folgen haben Kraft und Vertrauen gekostet. Wer immer wieder Expertise einbringt, Missstände aufzeigt und Lösungen erarbeitet, muss irgendwann auch erleben, dass sich etwas verändert.

Wo bleibt der Bildungsentwicklungsplan? Was wird aus den Versprechen des Tiroler Aktionsplans? Wann wird aus unserer Beteiligung endlich politische Verbindlichkeit?

Während wir in Arbeitsgruppen sitzen, kämpfen Familien um Schulassistenz und Bildungsplätze. Pädagog und Assistent versuchen täglich, fehlende Ressourcen aufzufangen. Kinder und Jugendliche verlieren Lernzeit, Zugehörigkeit und Zukunftschancen. Zu viel Energie geht dafür drauf, im Einzelfall durchzusetzen, was selbstverständlich sein sollte. Für gemeinsame Visionen bleibt kaum noch Luft. Auch der Kampfgeist leidet darunter.

Gleichzeitig wird die Idee der Inklusion selbst angegriffen. Wer sie als „Ideologie“ bekämpft, stellt unser Recht auf gleichberechtigte Teilhabe infrage. Wer Menschen mit Behinderungen zum Kostenproblem erklärt, bereitet den Boden für weitere Ausgrenzung. Menschenrechte gelten unabhängig davon, wie viel jemand leistet, verdient oder an Unterstützung braucht.

Wir sind müde geworden. Aber wir wollen uns nicht damit abfinden. Wir brauchen einander wieder: Menschen mit Behinderungen, Eltern, Schüler, Pädagog, Assistent und alle, die für eine gerechte und solidarische Gesellschaft eintreten. Deshalb gehen wir gemeinsam auf die Straße.

Wir fordern von Bund und Land:

1. Eine Schule für alle – gemeinsame Bildung endlich verwirklichen!
Ein inklusives Bildungssystem, in dem Kinder miteinander lernen und die Unterstützung bekommen, die sie brauchen. Herkunft, Einkommen und Behinderung dürfen nicht über Bildungswege entscheiden. Dazu gehört auch das Recht auf ein 11. und 12. Schuljahr an einer wohnortnahen Regelschule.

2. Genug Pädagoginnen und Pädagogen – den 2,7-Prozent-Deckel aufheben!
Die Finanzierung sonderpädagogischer Unterstützung muss sich am tatsächlichen Bedarf orientieren. Kinder brauchen jetzt ausreichend qualifizierte PädagogInnen. Bund und Land müssen dafür Verantwortung übernehmen. Zuständigkeitsdebatten schaffen keine einzige zusätzliche Unterrichtsstunde.

3. Schulassistenz flächendeckend und bedarfsgerecht sichern!
Wir fordern einen verlässlichen Rechtsanspruch auf die individuell notwendige Assistenz. Schulbesuch und Teilhabe dürfen weder von knappen Kontingenten noch vom Durchhaltevermögen der Eltern abhängen. Assistenz und pädagogische Förderung müssen einander ergänzen; beides braucht ausreichend Ressourcen.

4. Multiprofessionelle Teams an jede Schule!
PädagogInnen, Sozialarbeiter, Psycholog, Therapeut, Logopäd, Fachkräfte für UK und Pflegefachkräfte sollen gemeinsam unterstützen. Multiprofessionelle Angebote müssen auch in der Schule und im Kindergarten zugänglich sein. Unterstützte Kommunikation muss selbstverständlich im gesamten Schulalltag ermöglicht werden – sich mitteilen zu können ist ein Menschenrecht.

5. Die UN-Behindertenrechtskonvention umsetzen – mit verbindlichen Schritten und echter Mitsprache!
Wir brauchen klare Zuständigkeiten, Zeitpläne, gesicherte Mittel und öffentlich überprüfbare Fortschritte. Die Ergebnisse von Bildungsentwicklungsplan und Tiroler Aktionsplan müssen sichtbar und wirksam werden. Menschen mit Behinderungen und ihre Organisationen müssen Entscheidungen tatsächlich mitgestalten können. Erkämpfte Unterstützung in Bildung, Alltag und beim Übergang in die Arbeitswelt muss gesichert und ausgebaut werden.

Unsere Kinder haben nur eine Schulzeit. Menschen mit Behinderungen haben ein Recht auf ein selbstbestimmtes Leben – jetzt und in jeder Lebensphase. Beides lässt sich nicht auf die nächste Arbeitsgruppe, den nächsten Finanzausgleich oder die nächste Legislaturperiode verschieben.

Wir sind Teil dieser Gesellschaft. Wir sind hier. Jetzt! Und wir werden wieder gemeinsam laut.

Kommt mit auf die Straße – für Bildung für alle statt Chancen für wenige!